Die Wiener Gitarre des 19. Jahrhunderts

Die Weltmusikhauptstadt Wien war in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts auch die Stadt der Gitarre schlechthin. Georg Stauffer, erster in einer langen Riege von Wiener Gitarrenbauern, vollzog eine einzigartige Synthese der neapolitanischen und französischen Einflüsse; er schuf eine der besten Gitarren seiner Zeit – das berühmte „Legnani-Modell“  – und führte beständige Neuerungen wie die Terzgitarre und erste Kontragitarren ein. Unter seinem Patronat entstand eine echte Wiener Schule des Gitarrenbaus: Sein Sohn Anton, ihr Kollege Bernard Enzensperger, aber auch Franz Feilnreiter, Nikolaus Georg Ries, Johann Gottfried Scherzer, Ludwig Reisinger und viele andere waren deren Protagonisten.

Dank der in Wien weilenden Virtuosen – Mauro Giuliani, Luigi Legnani, J.  K. Mertz – auf den Bühnen der Stadt ebenso vertreten wie in ihren gutbürgerlichen Salons, wurde die Gitarre durch Musikverleger ersten Ranges wie Anton Diabelli und Domenico Artaria nachhaltig verbreitet und war während des Biedermeier so beliebt wie nie zuvor; eine Beliebtheit die später dank des Erfolgs des Schrammelquartetts über alle sozialen Grenzen hinaus ging.

Zwar ist die einzelsaitige Gitarre, wie wir sie heute kennen, Ende des 18. Jahrhunderts in Italien erfunden worden, doch wurden in der österreichischen Hauptstadt nicht nur wesentliche Verbesserungen vorgenommen: Hier ist auch der Grundstein ihres spezifischen Repertoires gelegt und wesentlich zu ihrer Verbreitung in Europa und darüber hinaus beigetragen worden.

Auf größtenteils erstmals veröffentlichten historischen Dokumenten basierend behandelt Stauffer  &  Co. die Geschichte dieser Schule, deren Bedeutung lange Zeit sehr unterschätzt wurde. Eine Auswahl von sechzig Originalinstrumenten illustriert den Variantenreichtum ihrer Produktion. Auch lässt das Buch den musikalischen und kulturellen Kontext dieser „Guitaromanie“ aufleben, der das Instrument nicht nur zu einem Emblem der Romantik emporgehoben, sondern auch der modernen Gitarre den Weg geebnet hat.


ISBN: 978-2-9538868-0-1